Schwindel muss nicht sein

Unser Gleichgewichtssystem holt sich seine Informationen aus den verschiedensten Organen, seien es die Gleichgewichtsorgane, die Augen, die Ohren oder Sensoren in den Gelenken. Widersprechen zwei Informationen sich prinzipiell, kommt es zu Verarbeitungsstörungen im gesamten System, die wir als Schwindel empfinden. So kann Schwindel in manchen Fällen sogar völlig normal sein, wie z.B. bei der Seekrankheit, bei der visuelle Eindrücke nicht mit den Bewegungsmessungen im Gleichgewichtsorgan übereinstimmen.

Schwindel ist zwar eine Empfindung aber keineswegs eine Einbildung. Fast in allen Fällen ist eine objektive Ursache für die Beschwerden auszumachen. Die gestörte Balance ist die wesentliche Ausdrucksform des Schwindels. Schwindel äußert sich in körperlichen Symptomen, die sich messen lassen.

Viele Schwindelerscheinungen beruhen auf eher unbedeutenden Störungen im Gleichgewichtssystem, aber hinter jeder Schwindelsymptomatik kann sich auch eine ernst zu nehmende Erkrankung verstecken. Das sollte abgeklärt werden. Die häufigsten Schwindelformen sind zentrale Verarbeitungsstörungen z.B. bei niedrigem Blutdruck, nach Alkoholgenuss, aber auch nach Einnahme von bestimmten Medikamenten, dicht gefolgt von Fehlinformationen aus dem Haltungsapparat, insbesondere bei Verspannungen der Schulter-Nackenmuskulatur aus den Verbindungsgelenken der Halswirbelsäule. Mit Abstand folgen Krankheiten der Gleichgewichtsorgane und Augen.

Die Stärke eines Schwindelanfalls kann sehr unterschiedlich sein. Wichtig ist, in welcher Situation man sich befindet. Fährt man gerade Auto oder Fahrrad, muss das Fahrzeug schnellstmöglich abgestellt werden. Auch wenn man im Augenblick des Schwindelanfalls in größerer Höhe arbeitet, sollte man versuchen, mit Hilfe anderer den sicheren Erdboden zu erreichen. Bei schwersten Schwindelanfällen, bei denen man nicht selbst mehr stehen kann, möglicherweise ständig erbrechen muss, werden die Umstehenden sogar einen Krankenwagen oder die Feuerwehr rufen.

In den meisten Fällen einer peripheren Gleichgewichtsstörung ist die eigentliche Ursache nicht bekannt. Gängige Hypothesen sind, wie beim Hörsturz, eine Durchblutungsstörung oder eine versteckte Virusinfektion. Entsprechend werden hier in der Behandlung Infusionen mit durchblutungsfördernden und entzündungshemmenden Medikamenten vorgeschlagen. Es gibt einige zentral am Hirn wirkende Medikamente, die die Schwindelsymptomatik abdämpfen können. Diese sollten als Zäpfchen gegeben werde, damit sie trotz Erbrechens wirken können. Man sollte jedoch bei diesen Medikamenten auch bedenken, dass sie die Fähigkeit unseres zentralen Gleichgewichtssystems, sich selbst wieder neu zu justieren, einschränken und so Schwindelerscheinungen zwar abmildern aber gleichzeitig verlängern können.

Die beste Hilfe aus der Natur ist bei leichteren Schwindelerscheinungen der Spaziergang im Wald, d.h. ein gestörtes Gleichgewichtssystem sollte systematisch trainiert werden, damit es die peripheren Informationen wieder ordnen kann. Auf ungepflasterten Wegen in hügeliger Landschaft als Information aus den Gelenkflächen und Gleichgewichtsorganen und zwischen gerade wachsenden Bäumen als Signal für unsere Augen gelingt dies am schnellsten.

Alle Schwindelerscheinungen gleich welcher Ursache sind Krankheiten im Sinne des Gesetzes. Sowohl die diagnostischen als auch therapeutischen Maßnahmen werden von allen Krankenkassen bezahlt.